Die deutschsprachige Erstaufführung des Broadway-Erfolgs „Jane Eyre“ überzeugt in Gmunden mit Tiefe, nicht mit Kitsch.

Ein berührendes Musical, in dem sich eine starke Frau frei spielt

Elisabeth Sikora glänzt als aparte, aber nie unterwürfige Gouvernante Jane Eyre. Bild: Rudi Gigler

 

Um nichts Geringeres als um die elementaren Fragen eines guten Lebens ging es bei der Premiere des Musicals „Jane Eyre“ am Donnerstag im Stadttheater beim „Muscialfrühling in Gmunden“. Wie viel bin ich wert? Wer liebt mich um meiner selbst Willen? Wo gehöre ich hin?

Die Antworten darauf suchte eine einnehmende Elisabeth Sikora in der Hauptrolle, die sich als eine Jane Eyre präsentierte, wie man sie sich beim Lesen der Romanvorlage (1847) der britischen Schriftstellerin Charlotte Brontë vorstellt. Apart, aber nicht unterkühlt, sich ihrer „niederen“ Stellung bewusst, doch nicht unterwürfig, empfindsam, typisch für eine Frauenfigur des 19. Jahrhunderts, aber nie verklärt. Und wie das Buch begann das Musical unter der Regie von Markus Olzinger in ihrer harten Kindheit. Hier entzückte noch das Mädchen Jane, eine geprüfte, doch vorwitzig trotzige Waise. Noch süßer: ihre Altersgenossinnen in der Armenschule, als militärisch gedrillte, angepasste, aber glockenhell singende Truppe – eine klasse Leistung der Kinder aus der Musicalschule „Schnuppdi Starwalk“ Linz. Statt abstrakter Widrigkeiten wie Mitleid und Spott stand der erwachsenen Jane im zweiten Teil dann aber der ihr bestimmte „Gegenspieler“ entgegen. Mr. Edward Rochester, um dessen Mündel sich Jane in dessen Herrschaftssitz als Gouvernante kümmert. Yngve Gasoy-Romdal gibt diesen stattlichen Mann famos, der an seiner Bärbeißigkeit leidet und den Schalk im Nacken sitzen hat.

Im Herzen schwer romantisch

Rochester verkörpert all das, was Jane, den Maßstäben ihrer Zeit und Erfahrungen nach, nicht haben kann, aber will: Liebe, Gleichstellung, Sicherheit. Denn im Herzen ist „Jane Eyre“ eine Liebesgeschichte, eine schwer romantische. Dass diese nicht in Kitsch ausartet, ist vielem zu verdanken: Carin Filipcic als Haushälterin Mrs. Fairfax – als Matrone eine Marke, charmant bis hantig, mit Witz –, einer reduzierten Bühne (auch von Olzinger), aber vor allem Sikora, Gasoy-Romdal und einem Orchester unter Caspar Richter, das die Figuren stützt.

Zwei klare, im richtigen Moment dramatisch starke Stimmen, getragen von fließenden, flötenden Melodien, die nur dann beben, wenn es der Chemie von Edward und Jane dient. Sehr gut so, denn den „Tusch“, den man ersehnt, liefern bis zuletzt die großen Gefühle.

Musical: „Jane Eyre“, deutsche Erstaufführung, 22. 3.,

OÖN Bewertung: *****