GMUNDEN. Ein Musical hat nur Elan und Esprit, wenn es der leichten Muse dient? Mitnichten! Das bewies die Premiere von „Sofies Welt“ beim „Musical Frühling“ in Gmunden.

"Sofies Welt" in Gmunden bietet große Musicalkunst und Gänsehaut-Momente

Bild: Rudi Gigler

 

Die Inszenierung basiert tatsächlich auf dem gleichnamigen Buch des Pädagogen und Autors Jostein Gaarder. Und damit auf der literarisch verpackten Einführung in die Philosophie des Norwegers. Unter der Gesamtleitung von Markus Olzinger hat es das Ensemble geschafft, abstrakten Begriffen wie Vernunft, Ideen, Körper, Identität aufregendes Leben einzuhauchen – ohne zu vergessen, die Naivität des Erkennens zu feiern, genauso wie das Wachsen an der Härte des Wissens.

Denker lassen Puppen tanzen

Hauptdarstellerin Ulrike Figgener bewegt sich glänzend in diesem Spannungsfeld der Gefühle. Die Sopranistin ist als Sofie eine zauberhaft-neugierige Heranwachsende, ihre Stimme ein glockenheller, weit offener Traum.

Wie im Buch ist auch ihre Figur eine Erfindung von Major Albert Knag, der während seines Kriegseinsatzes Sofies Abenteuer erfindet, um sie in Briefen seiner Tochter Hilde (Elisabeth Sikora, mehr über sie in der Box) zu schenken.

Den Vater und Sofies väterlichen Mentor Alberto Nox gibt Andrea Matthias Pagani, der Sofie auf eine Zeitreise mitnimmt – von den Denkern der Antike bis zu Kierkegaard im 19. Jahrhundert. Mehr als zehn Prominente aus Philosophie, Literatur und Religion stellt er ihr vor. Gespielt, gesungen, getanzt (Choreografie: Julia Ledl), dargestellt mit plüschigen Handpuppen von vier wahrlich fantastisch wandelbaren Darstellern: Katharina Dorian (Hildegard von Bingen), Robert David Marx (Platon, Goethe), Dominik Hees (Sokrates, Noah, Novalis), Aris Sas (Hegel, Shakespeare, Goethe und sein Werther) sowie Previn Moore (Descartes, Kierkegaard).

Harmonisch als eine Gruppe der Denker, und doch trafen jeder Ton und Witz seine Persönlichkeit und ihre Zeit. So war Moore ein herrlich peinlich exaltierter Descartes, Dorian eine Hildegard mit Haaren auf den Zähnen und Sas als Shakespeare so exzentrisch, dass er für sein berühmtes „Sein oder nicht sein“ beinahe auf keinen gemeinsamen Nenner kam.

Ein herrlicher Gegenpol zu den hehren Sphären ist Sofies beste Freundin Jorunn, die Eva Zamostny grandios als pubertäre Wildfang mit Ghettoslang gibt.

Genauso Sofies Mutter, der Jacqueline Braun mit Schwung reichlich Seele verleiht. Wie Figgener sind sie Klasse-Sängerinnen, gegen die es Pagani bei der Premiere schwer hatte. Auch das 20-köpfige Orchester, geleitet von Caspar Richter, musste anfangs etwas Druck rausnehmen.

Doch das änderte nichts daran, dass das Ensemble wie eine bestens abgestimmte Maschine funktionierte. Ein rasantes Gesamtkunstwerk mit Sinn, das Gänsehaut-Momente schenkte und dafür stehende Ovationen bekam.

Sofies Welt: Musical Frühling Gmunden, Premiere, 31. März, Stadttheater

OÖN Bewertung: *****